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Review der Collection


von Greg

 
 

 
  Wer den Namen Working Designs hört, denkt dabei an 2 Dinge: Erstklassige Videogame-Lokalisationen und sehr, sehr lange Wartezeiten. Die Mannen um Chef Victor Ireland sind bekannt dafür, dass sie sich gerne japanische Spiele vornehmen, welche vornehmlich aus dem RPG- und dem Shooter-Genre stammen und sie in jahrelanger Detail-Arbeit möglichst perfekt für den amerikanischen Markt umsetzen. Das Ergebnis kann sich dabei immer sehen lassen: Die Spiele kommen inhaltlich ohne Fehl und Tadel daher, oft wird von WD sogar am Gamedesign gefeilt um technische Unzulänglichkeiten auszumerzen oder neue Gameplay-Features einzubauen, seit der Lokalisation von Game Arts' PSOne-Remake des Mega CD-RPGs Lunar kriegt der Käufer bei ausgewählten Spielen sogar tonnenweise Goodies zum eigentlichen Spiel dazu. Schön und gut, aber so makellos die eigentliche Arbeit von WD an den Lokalisationen ist, bei einer Sache nimmt man es dort nicht ganz so genau: Abgabetermine. Durch den hohen Standard, den sich WD selber auferlegt haben, kommen ihre Spiele selten zu den anvisierten Release-Daten heraus und lassen die durstige Spielegemeinde teilweise jahrelang ausharren. Das vorhin angesprochene Lunar-Remake kam beispielsweise erst knapp über ein Jahr nach dem ursprünglichen Erscheinungsdatum auf den Markt, der Nachfolger Lunar 2 liess sogar 1 1/2 Jahre auf sich warten, der absolute Spitzenreiter ist aber das spaßige Saturn-Action Adventure Magic Knight Rayearth, welches ca. 4 (!) Jahre Umsetzungszeit verschlang. Mit der Arbeitsweise von Working Designs vertraut, nahmen es die Spieler dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf, als WD Anfang des Jahres 2000 ihr bislang aufwendigstes Projekt ankündigte: Die Arc The Lad-Collection ...

Bei Arc The Lad handelte es sich seinerzeit um eines von 2 PSOne-Spielen, welche zur Anfangszeit der Konsole von Hersteller Sony in Auftrag gegeben wurden, um den damaligen Mangel an RPG-artigen Spielen etwas auszumerzen. Der eine Titel hieß Beyond the Beyond, ein unterdurchschnittliches Rollenspiel nach klassischer Machart, welcher von den Shining Force-Machern Camelot fabriziert wurde. Arc The Lad hingegen orientierte sich mehr in die Sparte der Strategie-RPGs und wurde vom In-House Team G-Craft gefertigt, leider blieb AtL im Gegensatz zu Beyond the Beyond nur den japanischen Spielern vorbehalten und wurde nicht außerhalb der Heimat veröffentlicht. Das selbe Schicksal ereilte auch die beiden Nachfolger, die ebenfalls in Japan bleiben mussten, bis Working Designs knappe 5 Jahre nach dem Release des Erstlings überraschend ankündigte, alle Arc The Lad-Teile zusammen in einer riesigen Box auf den amerikanischen Markt bringen zu wollen. Die RPG'ler freuten sich natürlich darüber, dass sie endlich die bislang weitgehend unbekannte Spielereihe zu Gesicht bekommen, jedoch waren die meisten auch schlau genug um zu wissen, dass dies nicht so schnell passieren würde: Drei Spiele auf einmal hatten selbst Working Designs bislang noch nicht lokalisiert, so daß die Arbeiten an der Arc The Lad-Collection über 2 Jahre verschlangen und das fette Mega-Paket erst im April 2002 in die US-Läden kam.

So, was erwartet nun den Spieler, wenn er sich die sündhaft teure Collection (der off. US-Preis lag bei 75,- $) ins Haus holt? Wie schon bei den beiden Lunar-Umsetzungen kommen die Spiele-CDs und die Goodies in einer extra-dicken Pappverpackung mit aufklappbarer Frontseite daher, die Größe entspricht trotz der hohen CD-Anzahl in etwa der des Lunar 2-Remakes. In der Packung finden sich wie gewohnt ein Doppel-Jewelcase mit den eigentlichen Spielen, das in Kunstleder gebundene Handbuch sowie eine kleine Omake-Box (jap. für Extra) mit Magnet-Verschluß. Damit die stattliche Anzahl von 6 CDs auch in einem der gängigen PSX-RPG-Cases Platz findet, wurden extra 2 doppelseitige Halterungen in der Hülle angebracht, so dass alle Discs relativ kompakt gelagert werden können. Die Hülle enthält jeweils eine CD für das erste Arc The Lad, den Nachfolger Arc The Lad II sowie dessen Add-On Arc Arena: Monster Tournament, 2 CDs werden von Arc The Lad III benötigt, dazu kommt schlußendlich die obligatorische "Making Of"-CD. Beim über 100-seitigen Handbuch wurde diesmal zwar auf einen Auszug aus dem offiziellen Strategy-Guide verzichtet, da die ausführlichen Spielebeschreibungen schon selber den Großteil des Umfangs einnehmen, dafür dürft ihr euch an hübschem Artwork erfreuen. Sorgen die Spiele-Hülle und das Handbuch noch für glänzende Augen, fällt der Blick in die Omake-Box weitaus ernüchternder aus. Statt netten Goodies wie den Landkarten oder dem Lucia-Anhänger aus den Lunar-Boxen erwarten euch eher mäßige Extras, die einzigen Neuheiten sind aufstülpbare Gummi-Noppen für eure (eh schon von Haus aus gummierten) Analog-Sticks sowie eine leere Memcard-Hülle. Warum ausgerechnet das nutzloseste Goodie aller Zeiten, Mini-Pappaufsteller mit Chara-Gesichtern drauf, wieder mit an Bord ist weiß nur Herr Ireland selber. Ich will mich ja nicht beschweren, die Lokalisation der Spiele ist hervorragend wie eh und jeh, aber für den Preis hätte ich lieber einen vernünftigeren Bonus wie eine gefüllte Memcard-Hülle oder eine Soundtrack-CD gehabt, da die teilweise vom London Philharmonic Orchestra eingespielten AtL-Musiken durchaus hörenswert sind ... sei's drum.

Alles in Allem fühle ich mich mit der Collection nicht ganz so wohl wie ich es mir erhofft hatte. Arc The Lad II ist ein tolles Spiel, keine Frage, aber es verdient nicht ganz die abgöttische Verehrung die es in den einschlägigen RPG-Kreisen bekommt. Arc III ist soweit ich es sehen konnte ein kleiner Rückschritt gegenüber dem Vorgänger und damit immerhin noch ein solides Spiel, aber Teil 1 zieht sich mit dem eintönigen und anspruchslosen Gameplay selbst über die kurze Spielzeit wie Gummi. Da die Spiele storymäßig miteinander verbunden sind fühlt man sich fast schon genötigt den ersten Part mit Aussicht auf bessere Zeiten mitzunehmen, aber ob das nun Sinn der Sache sein soll ... ich weiss nicht. Das Monster Tournament ist mehr oder minder ein nutzloses Multiplayer-Gemetzel und wohl nur der Gesamtheit wegen dabei, und der Großteil der Goodies wie weiter oben schon erwähnt nicht allzu beindruckend. Wirklich lohnenswert außerhalb der Spinecard-Bügler Klientel ist damit nur Arc The Lad II, und dafür selbst zum Release mehr als das Doppelte des üblichen Spielepreises abzudrücken ist einfach übertrieben. Dennoch, der Sammler in mir freut sich über den betriebenen Aufwand und die Collection lässt das Auge beim Blick ins Regal etwas heller glänzen als sonst, denn wie es sprichwörtlich so schön heißt: Das Endprodukt ergibt mehr als die Summe seiner Teile. Als Spieler kann man sich Arc II mit etwas Zähneknirschen schenken und komplett auf die Box verzichten, ich sinniere derweilen weiter über den Sinn der Pappaufsteller nach ...

  Fazit : Massivst beladene Special Edition nach Working Designs-Art mit 3 1/2-Spielen, "Making of"-CD, Leder-Handbuch und einer Vielzahl an Goodies. Leider täuscht der enorme Umfang etwas über die Tatsache hinweg dass mit Arc The Lad II nur ein wirklich spielenswerter Titel dabei ist und die Box sonst nur mit Mittelmaß und sinnfreien Extras gefüllt ist. Aufgrund des Preises primär nur was für Sammler.

 
 

 

Spielspaß