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Review der deutschen PAL-Version


von Greg

 
 

 
  Wenn man heutzutage an Dark Cloud zurückdenkt, dann leuchten bei vielen, langjährigen Zockern die Augen ... ein wenig, zumindest. Seinerzeit hatte Dark Cloud nämlich die Ehre als Einäugiger unter den Blinden König zu sein, indem es endlich ein brauchbares PS2-Rollenspiel war. Dessen Grafik einen nicht mehr verschämt auf den Dreamcast schielen liess. Welches den schlechten Geschmack der Frühwerke Marke Evergrace und Eternal Ring beinahe wegspülen konnte. Auch für mich stellte es den entgültigen Sprung in die "Nextgen-Ära" dar, was ich dem Spiel heute noch zugutehalte. Doch nicht nur das: Dark Cloud machte mir damals richtig Spaß... und das tut es heute noch.

Im Herbst 2001 erschienen, stellte Dark Cloud das Debut des Entwicklerteams Level 5 dar. Diese wurden später für Hits wie Rogue Galaxy, Dragon Quest VIII und Professor Leyton bekannt, aber schon ihr Frühwerk zeigte die ersten Anzeichen von Brillianz, indem es die eigentlich langweiligste Unterkategorie des japanischen Rollenspiels nahm und zu einem brauchbaren Spiel machte. Dark Cloud gehört nämlich zu den sogenannten Dungeoncrawlern. Dies bedeutet das Gameplay besteht zum größten Teil aus Besuchen zufallsgenerieter Kerker, in denen man sich mit immer gefährlicher werdenden Kreaturen um Items und Erfahrungswerte prügelt. Was Dark Cloud anders als viele Kollegen machte war den Spielablauf mit Versatzstücken anderer Genres zu mixen und dadurch aufzulockern ... doch ich greife hier voraus.

Am Anfang von Dark Cloud steht der Genie. Der ist groß, fett, violett und ganz und garnicht nett. Wurde er doch von merkwürdigerweise recht deutsch aussehenden Gestalten aus seinem Schlaf gerissen und darauf angesetzt, die ganze Welt auseinander zu nehmen, einfach mal so. Leider gehört euer Dorf auch dazu, so dass der Genie sich selbst auf euer Sommerfest einlädt und neben der Party auch Gebäude und Einwohner sprengt. Bevor ihr aber in bester Rambo-Manier auf Rachefeldzug gehen könnt, erscheint vor euch (und spätestens jetzt wird es absurd) der Feenkönig. Der hat dem Genie nämlich ein Schnippchen geschlagen: Bevor das Dorf dem Erdboden gleich gemacht wurde, hat er Naturalien wie auch Lebendware in Kapseln verpackt und in der naheliegenden Mine versteckt. Euer Ziel: die Kapsel aus der Mine holen und euer Dorf wieder aufbauen ... sofern ihr euch noch erinnern könnt, wo alles stand.

Die Mine hat eine bestimmte Anzahl an Stockwerken, deren Layout bei jedem Betreten von Neuem generiert wird. Dort findet ihr neben den Kapseln mit den Dorfbauteilen natürlich auch jede Menge Monster, die euch von eurem Vorhaben abbringen wollen. Ziel des Spieles ist es nun, immer tiefer in die Mine einzudringen, alle Kapseln einzusammeln und anschließend das Dorf "auszulösen", was leichter gesagt als getan ist. Innerhalb der Mine fleuchen eure Gegenüber in Echtzeit durch die Gänge. Gekämpft wird frei nach klassischer Zelda-Art, ihr lotet das Verhalten der Monster aus und macht aus ihnen dann taktisch Geschnetzeltes. Dabei machen die Auseinandersetzungen echt Laune, jede Art von Gegner reagiert anders, man muss immer konzentriert an die Sache gehen und für Langeweile bleibt wenig Zeit. Um das Ganze spannender zu machen verbraucht ihr während der Dungeonbesuche Wasser, welches zeitig per Flaschenvorrat oder Besuch beim lokalen Brunnen wieder aufgefüllt werden sollte. Dazu werden eure Waffen mit jedem Einsatz schwächer, wer nicht rechtzeitig repariert, riskiert seine Streitaxt zu verlieren. Eigentlich ist das Konzept recht simpel, ist aber dennoch interessant genug umgesetzt worden, um bei der Stange zu halten.

Habt ihr genug Kapseln eingesammelt geht es wieder an die Oberfläche, wo der andere Gameplay-Part des Spieles startet. Wie bei Sim City ist es nun eure Aufgabe aus den Bauteilen und wieder eine funktionierende Stadt zusammenzubasteln. Wie ihr das Layout gestaltet bleibt bis zu einem gewissen Maße euch überlassen, jedoch müssen ab und zu gewisse Vorraussetzungen erfüllt werden (z.B. dies Haus muss neben dem Haus stehen), um den Plot voranzutreiben. Neben zahlreichen Items werdet ihr auch mit kleinen Storysequenzen entlohnt, welche euch schön motivieren nach weiteren Kapseln in den Dungeons zu suchen, um euer Puzzle zu komplettieren. Es gibt nichts schöneres als nach ordentlich Gebolze und Gebastel gesagt zu bekommen, dass man 100% des Dorfes wieder hergestellt hat und die Geschichte nun weitergehen kann. Die Balance zwischen Dungeons und Stadtebasteln klappt echt gut und sorgt dafür, dass weder das Eine noch das Andere zur Tortur ausartet.

Natürlich bleibt es nicht nur bei eurem Dorf, der Genie hat schließlich die ganze Welt verwüstet. Im Rahmen der nett erzählten Geschichte wandert ihr nun von einer Location zur anderen, so dass die Settings alle paar Stunden wechseln. Dazu schart ihr eine illustre Riege an Kollegen um euch mit denen ihr ebenfalls spielen könnt, jeder von denen hat dann eigene Waffen und Talente, mit den bestimmte Dungeonpassagen lösbar werden. Komplexität und Schwierigkeit steigen angenehm mit jedem weiteren Part an, dazu gibt es genug Überraschungen bei Story und dem Gameplay, so dass der Spannungsbogen stets auf einem guten Niveau bleibt. Ebenfalls cool ist die erstaunlich tiefgründige Item-Kreation, die euch alle möglichen Waffen ausbilden und fusionieren lässt, so dass clevere Bastler auch mit den besten Schießprügeln herumlaufen. Kurz was zur Technik. Die Grafik mag zwar arg flimmern, dafür gibt es konstante 60 Bilder pro Sekunde und die Polygonmodelle sehen für die damalige Zeit echt ordentlich aus. Musikalisch gibt es einen stimmungsvollen und melodischen Soundtrack von Level 5s zukünftigen Stammkomponisten Tomohito Nishiura zu hören, der sich seit Jahren in meiner Playlist festgezeckt hat und nicht mehr verschwinden will.

Bei all dem Lob, was funktioniert nun nicht so gut an Dark Cloud? Nun, so spaßig das Kampfsystem auch umgesetzt wurde, es gibt Balance-Probleme die einen schnell mal einen ordentlichen Batzen an Spielfortschritt kosten können. Mimics, als Schatztruhen verkleidete Gegner also sind lächerlich-stark, der Zufallsgenerator schmeißt manchmal total unpassende Charaktere in bestimmte Dungeons. alles kleine Nicklichkeiten die am Nervenkostüm zerren können. Dazu bietet die Engine genug Löcher, um manche Figuren maßlos zu überleveln und ohne große Probleme durch das Spiel zu rasen. Mit etwas Glück entgehen einem zwar diese "eingebauten Cheatmöglichkeiten" und man beendet das Spiel wie ursprünglich gedacht, aber hat man sie gefunden ist es aus mit der Spannung. Ansonsten habe ich aber nicht viel zu meckern. Dark Cloud ist eines der wenigen Spiele die ich mehrmals auf 100% durchgespielt habe und mir trotz der vielen Fortschritte seitdem Spaß machen. Der Nachfolger Dark Chronicle macht zwar fast alles besser, aber in einigen Punkten hat Dark Cloud die Nase vorn und ist auch heute noch einen Blick wert ... einen kleinen, zumindest.

  Fazit : Für viele das erste PS2-Rollenspiel was überhaupt irgend eine Art von Spaß aufkommen liess, mir ging es genau so. Das Debut der Dragon Quest VIII-Macher Level 5 verbindet zufallgenerierte Dungeons mit dem Zelda-Kampfsystem und Basteleien nach Sim City-Art ... eine ungewöhnliche Mischung, die aber funktioniert, und zwar erstaunlich gut. Wer vom Dungeoncrawler-Prinzip nicht sofort abgeneigt ist findet ein echt nettes Spiel vor sich, welches zwar ein paar Fehler im Detail hat, aber welches Spiel hat sie nicht? Ich mag es, auch heute noch.
 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß