Zurück zur Startseite

Spieletests Nützliche Infos & kurzer Story-Abriß Bilder aus dem Spiel Offizielle Zeichnungen & Renderings Musiken zum Anhören und downloaden Spielstände in verschiedenen Formaten Zur Startseite



 

 

Review der PAL-Version


von Greg

 
 

 
  Ende der 80’er Jahre stand Sega vor einem kniffligen Problem. Ihre damals brandneue 16-Bit Konsole, das »Mega Drive«, brauchte dringend Software-Nachschub. Action-Titel und 2D-Shooter hatte man genug im Angebot, doch ausgerechnet die allseits-beliebten Rollenspielen waren abgesehen von der »Phantasy Star«-Serie Mangelware. Exklusiv an Nintendo gebunden konnten die beiden großen RPG-Entwickler Enix und Squaresoft weder »Dragon Quest« noch »Final Fantasy« auf das »Mega Drive« bringen, auch sonst wollte kein Publisher den lukrativen »NES«-Zug verlassen. Was sollte man tun?

Die Lösung bestand (wie so oft bei Sega) in der Eigeninitiative. Fluchs wurden gleich zwei RPG-Studios aus dem Boden gestampft: »Sonic! Software Planning« und »Climax Entertainment«. Gemeinsam hatten die beiden Entwickler-Teams nun den Auftrag, die Rollenspiel-Lücke des »Mega Drives« zu schließen. Unter dem »Shining«-Label sollten viele verschiedene Spiele erscheinen, die alle möglichen Bereiche des RPG-Genres abdecken – seien es klassische Rollenspiele, Action-RPGs oder auch Strategie-Titel.

»Es weht ein frischer Wind im Genre«

Den Anfang machte 1991 »Shining in the Darkness«, ein respektabler Dungeoncrawler, vergleichbar mit Computer-RPGs wie »Ultima« oder »Wizardry«. Spielspaß-technisch zählte der Titel zwar nicht unbedingt zur Genre-Elite, zeigte aber damals schon, was die »Shining«-Spiele in Zukunft ausmachen wird – hübsche Animegrafik, temporeiches Gameplay und eine intuitive Steuerung. Der Durchbruch folgte dann schließlich ein Jahr später mit »Shining Force« - einem ungewöhnlichen Genre-Mix, der elegant Strategie mit RPG-Elementen verband und damit sehr viel Anklang in der Rollenspieler-Gemeinde fand. Beflügelt vom Erfolg machten sich die Entwickler sogleich an die Fortsetzung und präsentierten 1994 der Öffentlichkeit »Shining Force II«.

»Shining Force II« versetzt euch in die Rolle von Bowie, einem energischen Nachwuchs-Helden, der im eigentlich recht friedlichen Königreich Granseal lebt. Momentan geht allerdings alles drunter und drüber – ein Dieb hat aus dem benachbarten Schrein zwei wertvolle Juwelen geraubt, dazu wurde der König hinterrücks angegriffen und ist nun ans Bett gefesselt. Zusammen mit seinen Freunden Sarah und Chester sowie dem altersweisen Magier Astral macht sich Bowie auf, um Licht ins Dunkel zu bringen. Auch wenn die Storyline recht konventionell erscheinen mag, ist sie für ein Spiel des Jahrgangs 1994 durchaus gelungen. Die Dialoge sind witzig, die Charaktere gut durchdacht – kurzum, sie hält euch stets gut bei der Stange.

Vom Gameplay her gehört »Shining Force II« zu den sogenannten Strategie-RPGs - einer Untergattung der Rollenspiele, in der die Genre-üblichen Kampfe gegen epische Massenschlachten getauscht werden. Anders als beim Großteil der heutzutage bekannten Strategie-RPGS geht »Shining Force II« allerdings einen etwas anderen Weg. Während Genre-Vertreter wie »Fire Emblem« und »Final Fantasy Tactics« sich komplett auf die Kämpfe konzentrieren und die Spiele-Welt auf eine Handvoll Menüs reduzieren, erhält sich »Shining Force II« den Status eines vollwertigen Rollenspiels. Wie in einem ganz normalen RPG lauft ihr selbst durch die Locations, reist auf einer weitläufigen Oberwelt zwischen den vielen Örtlichkeiten hin und her und redet dabei mit Hunderten von Personen.

»Drache auf E4!«

Erst innerhalb der Kämpfe zeigt »Shining Force II« dann sein wahres Gesicht. Auf einer mehrere Bildschirme umfassenden Karte stehen sich Charaktere und Gegner gegenüber, bereit zur großen Schlacht. Wie bei einem Schachspiel gilt es nun für euch Zug um Zug die Spielfiguren clever zu positionieren und den Gegner möglichst effektiv aus dem Weg zu räumen. Dies ist aber einfacher gesagt als getan. Oft wuseln mehr als ein Dutzend Figuren auf dem Feld herum und verlangen euch ein gesundes Maß an Konzentration und Voraussicht ab – doch genau das ist es, was an »Shining Force II« soviel Spaß macht.

Inhaltlich setzt »Shining Force II« den Schwerpunkt auf ein variables Leveldesign. Natürlich finden sich in den über 40 im Spiel enthaltenen Kampfschauplätzen diverse Standard-Missionen, in denen ihr einfach nur alle Gegner schlagen müsst. Wirklich interessant wird es allerdings, wenn der Sieg an bestimmte Bedingungen geknüpft ist – es gibt unter anderem Beschützer-Missionen, Duelle auf hoher See und sogar Konfrontationen mit schier-unbezwingbaren Riesen-Dämonen. Dabei werden Veteranen wie auch Einsteiger gleichermaßen angesprochen. Alte Genre-Hasen freuen sich dank des wählbaren Schwierigkeitsgrades auf knallharte Auseinandersetzungen, Neulinge werden dank einem durchdachten Level Up-System und gnädiger Game Over-Mechanik, die euch alle erkämpften Erfahrungspunkte behalten lässt, behutsam ans Spielprinzip herangeführt.

Von der technischen Seite her zählt »Shining Force 2« jetzt nicht unbedingt zur »Mega Drive«-Elite, hebt sich aber angenehm vom Gros der restlichen RPGs auf der Plattform ab. Während außerhalb der Kämpfe eine passable Anime-Optik aus der Vogelperspektive geboten wird, haben die Entwickler speziell in den Duell-Situationen nochmal kräftig an der Grafikschraube gedreht. Dann stehen sich detaillierte und hübsch-animierte Figuren gegenüber und geben sich Saures – auch für heutige Verhältnisse schön mit anzusehen. Die Musik ist recht variabel und begleitet das Geschehen angemessen, leidet allerdings wie viele »Mega Drive«-RPGs am blechern-klingenden Soundchip der Konsole.

»Der Anfang vom Ende«

Die klassische »Shining Force«-Serie fand im dritten Teil auf dem Sega Saturn ihr Ende, der in Japan in gleich drei umfangreichen Episoden auf den Markt kam. Das Entwickler-Team »Sonic! Software Planning« trennte sich daraufhin von Sega und formte unter dem Namen »Camelot« ein neues Studio, bekannt u.a. für die beliebte »Golden Sun«-Serie auf dem GameBoy Advance. Sega selbst ließ das »Shining«-Label während der Dreamcast-Ära für lange Jahre ruhen, bevor es ein Comeback auf der PS2 machte. Aktuelle Titel wie »Shining Tear«, »Shining Force Neo« oder »Shining Wind« haben allerdings spielerisch nicht mehr viel mit den Strategie-RPGs von anno dazumal gemein – eigentlich schade.

  Fazit : Es gibt nur wenige Titel, die in gleich zwei Genres zur Elite zählen. »Shining Force II« schafft dieses Kunststück und ist zu gleichen Teilen ein spannendes RPG als auch ein kniffliges Strategiespiel. Dazu gibt es schmucke Anime-Grafik, der Umfang ist auch nicht von schlechten Eltern und das Gameplay ist einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern. Ein feiner 16-Bit Klassiker.
 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß