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Review der US-Version


von Greg

 
 

 
  Nachdem die beliebten 2D-RPGs mit Suikoden III den Sprung von der PSOne auf die PS2 vollzogen, bedeutete dies fast das Ende für Konamis einzige RPG-Serie: Dank schlechter 3D-Grafik und langweiliger Musik hatte das Spiel keinen Stich gegen die damals aktuelle Konkurrenz der Squaresoft-Kollegen, dazu vergrätzen etliche Gameplayschnitzer und belangloses Story- & Charadesign selbst die größten Fans. Dennoch waren die Absatz-Zahlen für Konami anscheinend ordentlich genug um einen vierten Teil nachzuschieben, der zwar viel von den Kritikpunkten des Vorgängers adressierte, aber immer noch weit von der Genrereferenz der PSOne-Episoden entfernt war. Mit Suikoden V nun versucht Konami sich endgültig zu rehabilitieren, indem man neben zeitgemäßer Technik wieder klassische Gameplay-Elemente wie die fixe 6-Mann Battle-Engine zurückbringt und mehr Sorgfalt auf Storyline & Charaktere legte. In Japan im Februar 2006 in einer Special Editon erschienen, folgte die kompetent synchronisierte US-Version fast auf den Tag genau einen Monat danach. Wir PALis waren zwar erst ein halbes Jahr später dran, bekamen das Spiel dafür komplett auf Deutsch übersetzt und gleich zum Nice-Price spendiert.

Eigentlich herrscht im Königreich von Sol-Falena Frieden. Der große Krieg gegen das New Armes Kingdom liegt schon 8 Jahre zurück, nachdem Königin Arshtat und ihr Mann Farrin das zerstrittene Land einten und zum Sieg führten. Aus innenpolitischen Zwängen jedoch sah sich Arshtat gezwungen die Sonnen-Rune, größter Schatz und gefährlichste Waffe des Landes zugleich, gegen ihre eigenen Leute einzusetzen ... mit schweren Folgen. Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Prinzen, welcher von seinen Eltern beauftragt wurde, im betroffenen Gebiet nach dem Rechten zu sehen und ihnen danach Bericht zu erstatten. Was sich in den ersten Spielstunden dank des Standes und der Pflichten des Prinzen noch wie eine kleine Adels-Simulation anfühlt, verwandelt sich nach und nach in ein klassisches Suikoden-Szenario rund um Krieg, Rebellion und Verrat. Als Anführer der zahlenmäßig unterlegenen Fraktion gilt es nun sich clever der Übermacht der Opposition zu stellen, über das Land zu reisen um wichtige Verbündete der bis zu 108 Mann starken Party einzuverleiben, dabei zahllose Monster und andere Gegner zu metzeln und auch sporadisch in großen Schlachten sein taktisches Geschick zu beweisen, typisches Suikoden-Gameplay eben. Leider offenbart das Spiel durch die etwas zu sehr bemühte Fixierung auf die bewährten Serien-Elemente diverse Schwächen, welche oft gegen die gelungeneren Sachen in Suikoden V arbeiten und so kräftig am Spielspaß zehren, was ich in der Folge im Detail aufzeigen werde.

Widmen wir uns erstmal der technischen Umsetzung. Als das Suikoden-Team seinerzeit den Wechsel von 2D auf 3D wagte sah man deutlich, dass sie noch wenig Erfahrung mit der Welt der Polygone hatten, Suikoden III litt unter matschigen Texturen, groben Charaktermodellen und einer unsauberen Framerate. Part IV sah da schon etwas besser aus, die Konkurrenz war aber schon einige Schritte weiter liess das Spiel technisch im Staub liegen, da konnte das Strategie-Spinoff Suikoden Tactics mit seiner ordentlichen Celshading-Grafik auch nicht mehr helfen. Mit Suikoden V scheint nun endlich alles besser: Eure Figuren sind aufwendig modelliert und mit flüssigen Animationsphasen ausgestattet worden, die Umgebung sieht ebenfalls gut und sehr sauber aus, dazu geht es nur selten unter die ansonsten festen 30 Frames pro Sekunde. Dies ist alles schön und gut und auch ein großer Schritt in die richtige Richtung, wenn da nicht die Kamera wäre. Um das Spielgefühl näher an die 2D-Episoden zu bringen hat man sich entschieden, das Geschehen aus einer erhöhten Vogelperspektive einzufangen, was in der Hinsicht auch funktioniert und gut für die Übersicht ist, im Gegenzug aber auch den Großteil der Detailarbeit einfach verschluckt. Ich war während der Zwischensequenzen immer wieder überrascht wie gut das Spiel eigentlich aussieht, nachdem die selbe Lokalität mit den gleichen Personen in der normalen Ansicht so unspektakulär und farbarm wirkt ... sehr schade. Von der akustischen Seite aus ist an sich alles in Ordnung, die englische Sprachausgabe in den Cutscenes ist gelungen und die Effekte passend gewählt, der Soundtrack stammt diesmal aus der Feder von Komponist Norikazu Miura, welcher hörbar den Stil der fantastischen Musiken aus den ersten beiden Spielen der Serie zu emulieren versucht, aber nicht ganz an dessen Brillianz herankommt.

Nach den Experimenten mit Paar-Modi und 4-Mann-Einheiten ist die Battle-Engine wieder bei der klassischen Sechser-Party angelangt, was aber außer einem Nostalgie-Flash und besserer "Verwertbarkeit" eures üppigen Charakter-Fundus nicht besonders viel Vorteile mit sich bringt. Die Encounter bewegen sich beinahe das komplette erste Spieldrittel auf Kanonenfutter-Niveau, so daß die ganzen implementierten Combo- und Magie-Systeme wie auch die zahlreichen Party-Formationen wenig zum Einsatz kommen, später gibt es zwar durchaus widerstandsfähige Gegner, welche aber bis auf wenige Ausnahmen alle grob nach Schema F per Autobattle den Löffel abgeben. Durch das dynamische Level-Up System ist immer schnell der Punkt erreicht, wo das Kämpfen bis auf mehr Geld keinen richtigen Nutzen hat und bedingt durch die hohe Encounter-Rate, die langen Ladezeiten sowie den langatmigen Battles extrem die Geduld strapaziert wird. Bedenkt man dazu noch dass es kaum richtige Bosskämpfe (!) gibt die für etwas Abwechslung sorgen und das Dungeondesign ebenfalls keine großen Sprünge macht, bricht dieser Part fast dem gesamten Spiel das Genick. So schlimm wie die Engine-Schnitzer eines Skies of Arcadia würde die Situation bei Suikoden V zwar nicht einschätzen, aber hier wurde auf ein Konzept gesetzt, welches in diesem technischen Umfeld einfach nicht funktioniert. Die Engine von Suikoden 1 und 2 hat trotz vieler und oft einfacher Kämpfe geklappt weil eben die Ladezeiten kaum existent waren, dazu gab es dann anspruchsvolle Bosskämpfe en Masse wo man seine Denkmurmel noch richtig anstrengen musste. Suikoden V hingegen setzt einen fast schon im Sekundentakt sinnlosen und überlangen Fights aus, welche die Fähigkeiten der Engine nur rudimentär ausnutzen. Die Taktikgefechte werden diesmal per Echtzeitstrategie ausgetragen und an sich nicht allzu schwer ausgefallen, haben aber mit kleineren Designschnitzern sowie einem gewissen Grad an Unübersichtlichkeit zu kämpfen.

Die Ärgernisse bei Grafik und Engine sind leider nicht die einzigen, die Suikoden V zu schaffen machen. Das Item-und Chara-Management ist eine reine Katastrophe, sobald eure Truppe eine bestimmte Größe erreicht hat. Klappt zu Beginn trotz vieler Rüstungsgegenstände dank Auto-Equip noch alles recht locker, ist irgendwann das Inventory voll und man muss auf das berüchtigte Lager ausweichen, aus dem jeder Gegenstand erst mühsam per Hand wieder rausgeholt werden muss. Noch lustiger wird es wenn später auch das Lager voll wird, so dass man ständig am Verkaufen, Umverteilen und Ausrüsten ist, wenn man seine aktuelle Party nicht komplett schutzlos in die Pampa schicken will. Neue Charaktere stoßen grundsätzlich mit Waffen-Level 1 zu euch und sind so oft erstmal unbrauchbar für die aktuelle Aufgabe, um sie Instand zu setzen wird ordentlich Zeit und Kohle gebraucht die verschwendet scheint, wenn sie nach 15 Minuten Platz für die nächste storyrelevante Figur machen müssen. Dem lustigen Chara-Sammeln wird dank der wieder eingeführten "Missables" ein Dämpfer verpasst, denn im Gegensatz zu den beiden PS2-Vorgängern lassen sich ein paar Leutchen nur während eines gewissen Zeitfensters rekrutieren, hat man sie nicht erwischt sind sie unwiederbringlich weg. Dies hat nicht nur Folgen für das Ende des Spieles, bei dem der bestmögliche Abspann eine lückenlose Charakter-Riege verlangt, einige der Missables hängen miteinander zusammen und hat man eine ganz bestimmte Figur verpasst, kann man sich gleich von über 10 anderen verabschieden. Bei einem kürzeren Spiel hätte man vielleicht locker noch einen weiteren Durchlauf dranhängen können, Suiko V aber eignet sich durch den sehr ordentlichen Umfang von 60 bis 70 Stunden sowie der allgemeinen Zähigkeit eher weniger für mehrfaches Durchspielen.

Alles in Allem lässt sich Suikoden V unter dem Nenner "viel verschenktes Potential" zusammenfassen. Man sieht deutlich dass die Entwickler dem Flehen der Fangemeinde nach einem legitimen Nachfolger der ersten beiden Suikoden-Teile nachkommen wollten, haben es im Endeffekt aber von der falschen Seite angepackt. Der Charme eines 2D-Suikoden ging nicht von der Vogelperspektive, anspruchslosen Kämpfen oder unnötig verworrenem Item-Management aus, stattdessen waren das stimmige Drumherum wie die malerische Anime-Optik und die tolle Musik sowie das fantastische Chara-Design die entscheidenden Faktoren. In Sachen Storyline und bei den Charakteren macht Suikoden V sehr vieles richtig, es werden wirklich interessante Situationen und teilweise sogar richtig herzergreifende "Holy Shit!"-Momente geboten (auch wenn da beinahe schablonenhaft bei Suikoden 2 abgeschaut wurde), die zahlreichen Makel nagen aber ordentlich am Spielspaß. Inhalt und Technik sind ja vorhanden und wie man das Ganze richtig zu einem klassischen Konsolen-RPG Erlebnis verbindet, zeigen beispielsweise tri Ace' Radiata Stories oder Level 5s Dragon Quest VIII, die das 2D-Rollenspiel mit modernen Mitteln rekreiert haben. Ich hoffe mal dass die Macher sich das Lob, was sie nach den komplett verkorksten Teilen 3 und 4 für den Fünfer auch verdient haben nicht zu Kopf steigen lassen und die restlichen Fehler adressieren, um die altehrwürdige Serie mit Suikoden VI hoffentlich wieder auf das alte Qualitätsniveau zu hieven ...

  Fazit : Mit Suikoden V besinnt sich Konami nach zwei halbgaren PS2-Episoden wieder auf die Ursprünge der Serie ... und schiesst dabei weit über das Ziel hinaus. Der Grundstoff für ein gelungenes RPG ist dabei durchaus vorhanden, die 3D-Grafik ist endlich mal eines Suikoden würdig, die Charaktere sind sorgfältig ausgearbeitet worden und die Story hat einige wirktlich nette Twists zu bieten, neben den positiven Eigenschaften der Vorlagen werden aber auch deren Fehler mit eingebaut und rücken das Spiel damit mehr in Richtung Mittelmaß. Wer mit diversen Unzulänglichkeiten wie einem sehr anstrengenden Item-Management, langen Ladezeiten und extrem hoher Encounter-Rate leben kann wird durchaus seinen Spaß mit Suiko 5 haben, alle anderen seien auf Radiata Stories verwiesen, welches das Suikoden-Konzept wesentlich cleverer und ansprechender in die dritte Dimension verfrachtet hat.
 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß